Schuhmacherrealismus

PCA 331a, 1929
übersetzt von Verena Reichel
© MH 2019

Obwohl ich zwar beinahe selbst Repräsentant des ‚Schuhmacherrealismus‘ bin, den Verner von Heidenstam seinerzeit so scharf angriff, aber nicht überwand, der im Gegenteil üppig geblüht und überall im Norden eine bedeutungsvolle volkstümliche Dichtung hervorgebracht hat, deren Gegenstück man kaum woanders findet – grüße ich den großen Lyriker und stattlichen Fahnenführer zu seinem 70. Geburtstag mit tiefem Respekt und Bewunderung.

Henrik Pontoppidan.

Die Zeitung hatte die Beitragenden dazu aufgefordert auf die Frage zu antworten: „Worin liegt Ihrer Meinung nach die Hauptbedeutung von Verner von Heidenstam für die schwedische geistige Kultivierung?“ und schrieb bei der Veröffentlichung, dass die Antworten „ein vollständiges Bild der außerordentlichen Dankbarkeit ergeben dürften, zu der sich die nordischen Völker den größten Dichtern der Gegenwart gegenüber verpflichtet fühlen.“

Diese ‚Huldigung‘ an Verner von Heidenstam (1859-1940), den ‚größten Dichter‘ seinerzeit, wurde, unter vielen anderen und wohlwollenderen, am 06.07.1929 im Faksimile Nya dagligt Allehanda anlässlich Heidenstams 70. Geburtstag veröffentlicht.

Pontoppidan hatte seinerzeit Heidenstam für seine Kampfschrift ‚Renässans‚, in der das Wort ‚Schuhmacherrealismus‘ auf Seite 27 vorkommt, geehrt. Als Pontoppidan den Nobelpreis erhalten sollte, verhöhnte Heidenstam ihn seinerseits als ‚Schuhmacherrealisten‘.