Tagebuch „Af Dagens Krønike“ PCA 154, 1889übersetzt von Cecilia Czauderna© MH 2024 Die Novemberausgabe ist mit reichem und buntem Inhalt erschienen. Sie beginnt mit zwei Bildern von Herrn Erik und Frau Amalie Skram, die als würdige Eltern der jungen dänischen Dichtergeneration eine Portrait-Serie über diese einleiten. Hierauf folgt ein Fragment von Amalie Skram. Dieses ist –…
„Vom Land“ [Tagebuch]
„Im Vergleich mit der Hölle, die Kopenhagen dieser Tage bietet, ist die Natur wirklich rein göttlich.“
Pontoppidan vergleicht das Leben auf dem Land mit dem Leben in der Hauptstadt Kopenhagen und zieht dabei das auch noch so wüste Wetter auf dem Land dem Schmutz in Kopenhagen vor.
„Die Aprilnarren“ [Tagebuch]
„Seine unzähligen Stücke waren doch meistens eine Qual, und nennenswerte Beliebtheit hat er nie erreicht.“
Zu Adam Oehlenschlägers Geburtstag wurde im Königlichen Theater Johan Ludvig Heiberg „Die Aprilnarren“ aufgeführt. Henrik Pontoppidan kritisiert, dass Oehlenschläger überhaupt die Ehre dieser Aufführung zuteilwurde.
„Der Durst nach Freude“ [Tagebuch]
„Natürlich – wünscht er sich Modeautor zu werden, sollte er zuerst diesen beiden werten Herren seine Aufwartung machen und sich erkundigen, wonach es sie im Augenblick ‚dürstet‘. Aber die guten Autoren fragen den Zeitgeist nicht danach, was er wünscht. Sie folgen allein der Stimme ihres eigenen Herzens – und die harmoniert in der Regel gerade nicht mit der des Zeitgeistes.“
Die Erwartungen, die an Literatur gestellt werden, wandeln sich stetig. Die Erwartungen in Pontoppidans Zeit scheinen nach Freude und positiver Literatur zu verlangen, doch Pontoppidan plädiert dafür, dass Literatur auch düster und tragisch sein darf, und vor allem, dass sie dem ehrlichen Willen des Autors entspricht.
13. November 1889 [Tagebuch]
„Aus der Entfernung wirkt sie wie eine Bierbrauerei. Ein paar Lichtschlitze über dem untersten Dach erinnern besonders deutlich an die Sprossenjalousien, die man vom Kühlraum einer Brauerei kennt. Um das Bild zu vervollständigen, fehlt nur noch ein Dampfschornstein.“
In Valby wird 1889 eine neue Kirche, die Jesus-Kirche, gebaut, die architektonische Inspiration aus verschiedensten Quellen zieht. Henrik Pontoppidan sorgt sich darum, wie ansehnlich das fertige Gebäude sein wird.
„Martinsabend“ [Tagebuch]
„Heute Abend ist Martinsabend. Auf dem Land – zumindest in Nordseeland – wird dieser Tag ebenso festlich wie Heiligabend gefeiert. Man isst Milchreis und Braten zu Abend, spielt Karten um Æbleskiver, brät Blutwürste, trinkt warmen Rumpunsch, man knabbert an Süßigkeiten und küsst sich in den Ecken – genau wie beim Fest zur Erinnerung an die Geburt unseres Herrn Christus.“
Henrik Pontoppidan berichtet hier über den freudig gefeierten Martinsabend und gibt auch seine Überlegungen zum Festtagsessen wieder.
„Joppe“ [Tagebuch]
„Charles Dickens riet jungen Autoren beständig davon ab, sich an große Werke heranzuwagen. „Dazu gehört jahrelange Übung“.“
Dieser Artikel ist eine Rezension Einar Christiansens Roman „Joppe“, den Pontoppidan für zu ambitioniert für den aus seiner Sicht unerfahrenen Schriftsteller hält.
2. November 1889 [Tagebuch]
„Die Hotels in der Provinz sind so gut wie ausschließlich für Handelsreisende vorgesehen. Nur wer sich durch das Mitbringen von großen schwarzen Holzkoffern und einem distinguierten Äußeren als ein solcher ausweisen kann, darf einen entsprechenden Empfang erwarten.“
Dieser „Tagebuch“-Artikel ist eine Antwort auf einen Leserbrief zu dem zuvor am 31. Oktober 1889 erschienen „Tagebuch“-Artikel („Tourist“) und befasst sich mit der Qualität der Bewirtung in dänischen Provinzhotels.
„Tourist“ [Tagebuch]
„Trotz manch schwungvoller Begeisterungsausbrüche, die er als Deutscher allzeit auf der Zunge parat hat, vernimmt man deutlich, dass Herr Rieß sich bei uns – wie die meisten anderen fremden Touristen – überhaupt nicht wohlgefühlt hat.“
Henrik Pontoppidan schreibt hier über die Reisebeschreibung „Nach Dänemark und Schweden: Eine vergnügliche Touristenfahrt“, die der Deutsche Otto Rieß herausgebracht hat, in der unter anderem auch Kopenhagen behandelt wird.
Höflichkeit
„Seit jeher ist das dänische Volk – und nicht zuletzt die Kopenhagener – für seine Höflichkeit berühmt gewesen. Männer mit einem etwas größeren Bekanntenkreis müssen sozusagen mit dem Hut in der Hand durch die Stadt gehen.“
Der höfliche Umgang war zu Pontoppidans Zeiten bei den Dänen essenziell. Er kritisiert hier, wie hinderlich und übertrieben diese Höflichkeitsformen doch seien.
